Per Anhalter fahren und Couchsurfing sind zwei tolle Dinge, die manchmal etwas schwer zu kombinieren sind. Der Host wünscht sich verständlicherweise eine verbindliche Ansage, wann man schon eine fremde Person in sein Haus lässt. Gleichzeitig kann man beim Trampen nie so genau sagen wie weit man es heute schafft. Ist das Ziel 200 km entfernt könnte man theoretisch den selben Tag oder doch erst in zwei Tagen sein Ziel erreichen. Glückssache!

Wir entschließen uns so nah wie möglich an die Stadt heranzufahren, um einen verbindlichen Ankunftstag garantieren zu können. 10km vor Göteburg stehen wir auf einem Ikea-Parkplatz. Die Satelietenbilder von Google Maps führen uns nur wenige Hundertmeter in den Wald und wir finden einen Zeltplatz wie wir ihn schöner nicht hätten erwarten können. Wir kochen auf einem offenen Feuer und runden den Tag mit einem Knobi-Stockbrot ab. Morgen kann es weiter gehen.

Backpacking in Göteburg

Etwas spontan, aber erfolglreich schreiben wir eine Handvoll GöteburgerInnen an. Zu unserem Glück antwortet uns Martin. Er lebt seit einigen Jahren in Schweden und macht seinen Doktor an der Universität. Unser Aufenthalt beginnt mit einer kleinen Überraschung. Wir treffen uns nahe des Campus an einem Fitnessstudio, wo Martin heute abend vor knapp 20 Leuten ein Body Pump Workout leitet. Wir legen also die Rucksäcke ab, springen in die Sportsachen und stemmen die nächste Stunde im Takt (also mehr oder weniger) die Gewichte zur Decke. Aus verschiedenen Gründen haben wir beide Angst uns zu blamieren, aber wie so häufig macht man sich völlig unnötig einen Kopf. Das Workout macht Spaß und es wartet im Anschluss eine warme Dusche! Der Muskelkater wird dann morgen erwartet.

Martin ist den Abend noch auf einer Feier eingeladen. Wir haben also noch einige Stunden Zeit Göteburg bei Nacht zu sehen. Allerdings haben wir noch die Rucksäcke dabei, also keine optimalen Bedingungen den Abend ausgelassen zu gestalten. Wir nutzen die Zeit, um die 8 km quer durch die Stadt zu wandern. Das spart immerhin zwei Bustickets.

Wir warten nur wenige Minuten vor Martins Apartment, bis dieser aus dem Bus steigt. Das ist doch mal Timing! Wir dürfen das Gästezimmer besiedeln und uns ausbreiten. Wir quatschen noch eine ganze Weile, bis wir um drei Uhr alle hundemüde ins Bett fallen.

Wir nutzen den folgenden Sonnentag für einen Ausflug. Martin empfielt uns mit der Fähre zum skjærgård zu fahren. Wir fallen auf die volksetymologischen Deutung des schwedischen Worts gård als „Garten“ herein, den der Schärengarten ist garkeiner. Im Schwedischen bedeutet gård wie das verwandte englische yard nicht „Garten“, sondern „Hof“. Schären sind kleine felsige Inseln, die ihre flache, abgerundete Form durch vergangene Eiszeiten erhielten. Nun gut, wieder etwas gelernt. Auf den Schären leben trotzdem Menschen, die auch kleine Gärten haben 😉

Ausflug zum Schärengarten Göteburg

Den kommenden Sonntagmorgen sind wir zum Pancake-Frühstück mit Martins Nachbarn verabredet. Mit einem großen Tablet, voll mit frischen Pfannkuchen, Marmelade, Honig und anderen feinen Dingen geht es ein paar Türen weiter.

Wir planen für unseren letzten Tag in Göteburg noch eine kurze Wanderung mit Martin auf eine nahe Erhöhung im Keilers Park. Von hier hat man einen wundervollen Ausblick über den Hafen und die Stadt. In der Ferne sieht man den Freizeitpark Liseberg. Mit Sack und Pack geht es weiter mit dem Bus Richtung Universität. Martin ist gut vernetzt und seine Schlüsselkarte funktioniert fast überall. So kommen wir im obersten Stockwerk in den Konferenzraum und ziehen frischen Kaffee und Kakao aus einem Automaten. Als krönenden Abschluss geht es im angerenzenden Gebäude ins Untergeschoss. Dort wurde aus nicht erkennbaren Gründen ein Raum mit einer modernen Sauna und Duschen ausgestattet. Wir genießen die Ruhe und nutzen die Zeit für weitere Plauderein rund ums Reisen und Wandern.

Es ist Zeit sich zu verabschieden. Wir machen noch ein Foto und danken Martin herzlich für seine Gastfreundschaft. Für uns geht es weiter mit dem Bus quer durch die Stadt bis zur Endhaltestelle im Norden. Raus aus der Stadt sind es nur wenige Kilometer bis zu einem See im Wald. Perfekt für uns, um den angebrochenen Tag in der Natur ausklingen zu lassen, bevor es weiter Richtung Norden geht.

Vielen Dank Martin, für die schöne Zeit in Göteburg!

Abschiedsbild mit Couchsurfer Martin
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