Auf unserem Weg heraus aus Kristiansand helfen uns erneut Informationen aus dem herausragende Hitchwiki. Fußläufig erreichbar finden wir eine Bushaltestelle auf der Schnellstraße Richtung Westen.

Es dauert nur wenige Minuten bis ein schwedischer Helikopterpilot neben uns hält. Leider „nur“ im Audi. Kurzerhand passen wir unser Tagesziel an. Eigentlich wollten wir ins 45km entfernte Mandal. Doch die Chance heute noch weitere 50km nach Farsund zu fahren klingt ebenfalls verlockend. Die 9600 Einwohner Kommune ist Wohnort unseres Fahrers und zugegebenermaßen überaus schön gelegen. Wir werden mit Erzählungen von wunderschönen Sandstränden überzeugt. Nach fast 2 Stunden Fahrt lassen wir uns an einer Sportstätte in Meernähe absetzen und danken für die nette Fahrt. An dem Parkplatz befindet sich eine öffentliche Toilette mit frischem Wasser, was uns sehr gelegen kommt. Keine 15 Minuten später stehen wir mit unserem Zelt an einem menschenleeren Strand. Es ist schon spät und wir verkriechen uns nach einem schnellen Abendessen im Zelt. Auch wenn es kaum dunkel wird, fallen die Augen dank eines langen Tages schnell zu.

Ich bin wie jeden morgen etwas früher wach und erkunde etwas die Umgebung. Teile des Hafenareals befinden sich in der Nähe mit einigen interessanten Schiffen, welche ich auf der Hinfahrt bereits aus der Ferne gesehen haben. Es handelt sich um ausrangierte Expeditionsschiffe. Die Form ist auffällig kurz und dafür erstaunlich breit. Ich nutze die Gelegenheit etwas mit der Drohne zu fliegen. Die Spiegelungen der Rümpfe im Wasser geben ein tolles Bild ab. Der Ort hat den morbiden Charme eines Lost Places.

Wir nutzen den Tag, um uns in regelmäßigen Abständen über unseren wundervollen Zeltplatz zufreuen. Das Wetter ist herausragend, Aylin entspannt in der Sonne, während ich eine Sandburg baue. Ich hatte es noch nie so mit dem Stillsitzen und bin froh etwas Beschäftigung zu haben. Das Nordseewasser ist noch ziemlich frisch und ehr etwas für Hartgesottene. Ab und zu kommen Leute auf eine Gassirunde mit ihren Hunden vorbei, ansonsten bleiben wir alleine an diesem Traumstrand. Abends nutzen wir etwas Treibholz, um ein Lagerfeuer zu entfachen.

Als wir später zurück ins Zelt krabbeln müssen wir feststellen, dass uns der Wind eine nicht unerhebliche Menge Sand durch das Mückennetz ins Innenzelt gepustet hat. Das ist dann wohl die Kehrseite des Campings am Strand. Wenistens unsere Schlafsäcke sind noch sandfrei und so haben wir eine entspannte Nacht.

Unser Plan für die nächsten Tage sieht vor ein Stück dem Fernwanderweg „Kyststien“ zu folgen. Unser Zelt steht unmittelbar neben dem sogenannten Küstenwanderweg. Doch der nächste Tag soll leider erheblich schlechteres Wetter bringen. Schon kurz nach dem Frühstück fängt es an kräftig zu regnen. Wir beschließen das Zelt nicht abzubauen und verkriechen uns im trockenen. Wir haben ja keinen Zeitstress und verbringen folglich einen weiteren Tag am Strand – im Regen. Erfreulicherweise haben wir noch einen frisch heruntergeladenen Film auf der Festplatte. Mit etwas Leine bauen wir kurzerhand eine Deckenhalterung für den Laptop und können überaus komfortabel im liegen unser Heimkino genießen, während draußen der Regen aufs Zelt prasselt.

Am nächsten Tag wollen wir unsere Reise fortsetzen. Das Zelt ähnelt dank des Regens nun einem sandigen Streuselkuchen. Wir probieren den extra Ballast so gut es geht zu entfernen und starten unsere Wanderung. Alle paar dutzend Meter befindet sich ein blauer Pflock und markiert den Weg. Entgegen der Erwartung zur Landschaft in Norwegen folgt ein weißer Sandstrand dem Nächsten. Ein außergewöhnlich hübscher Ort. Vorbei an Kühen und Heidelandschaften folgen wir der Küste.

Von Einheimischen haben wir den Tipp bekommen bis zum Ende der Woche in der Gegend zu bleiben, um am jährlichen Amerika-Festival in Vanse teilzunehmen. In der Kleinenstadt lassen sich an jeder Ecke amerikanische Autos und Flaggen finden. Es gibt amerikanisches Essen und eine starke Präsens amerikanischer Einwanderer.

Norwegen-Amerika Flagge

Zwischen 1825 und 1925 sind fast eine Million Norweger in die Staaten ausgewandert und haben den Grundstein für eine starke kulturelle Bindung gelegt. Auch wenn es verlockend klingt sich einen vermeintlich guten Elvis Immitator anzuschauen, wäre das Fest erst in einer knappen Wochen. Definitiv mehr Zeit, als wir eingeplant hatten hier zu verweilen. Wir kehren den Adlern, der Route 8 und den Diner Stores den Rücken. Entlang der einizigen Hauptstraße E39, welche kaum mehr als eine deutsche Landstraße ist, rollt der Verkehr an die Westküste. Gut für uns, denn wir können ganze 160km in einem Rutsch bis nach Stavanger mit fahren.

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