Einen Tag früher als geplant, erreichen wir also das kleine Dörfchen Le Bourg-d’Oisans, wo wir bei einem ehemaligen Kollegen meines Vaters und Freund der Familie Denis unterkommen können. Wir freuen uns riesig auf den Besuch, denn neben der Gastfreundlichkeit, die uns dort erwartet, ist die Gegend umwerfend schön.
Das Haus von Denis ist umgeben von Bergen, die zu den Alpen gehören. Wir haben Glück, denn erst vor wenigen Tagen ist der Schnee geschmolzen und die Temperarutern angestiegen. Zwar ist das Wetter am ersten Tag noch trübe und nebelig, aber das hält uns nicht ab einen kleinen Spaziergang zu machen. 

Was uns bei dem Spaziergang besonders auffällt, ist die schwarze Erde. Noch nie haben wir so dunkle, ja wirklich schwarze Erde gesehen. Auch die kleinen Tunnel, die am Rande der Felswand geschlagen wurden, um eine Straße nach oben zu bauen, sind sehr beeindruckend.
Am nächsten Tag klart der Himmel auf und wir dürfen uns über strahlenden Sonnenschein freuen. Wir beschließen eine Wanderung in das nächstgelegene Dorf  Les Gauchoirs auf ca. 940 Metern Höhe zu unternehmen. Dabei wandern wir durch die wundervolle Natur der Alpen, mit glasklaren Seen und Flüssen und den ersten Blumen die den Frühling ankündigen. Die Wasserfälle sind aktuell noch moderat gefüllt, da der Schnee in den höher gelegenen Regionen erst anfängt zu schmelzen. In der Ferne kann man auch noch die schneebedeckten Gipfel erkennen. Wir genießen die Tage in traumhafter Idylle bevor es am Sonntag für uns weiter Richtung Italien gehen soll. Wir wollen die Alpen von Le Bourg-d’Oisans über den  Col du Lautaret Pass in Richtung Turin überqueren.

Denis befürchtet, dass wir auf diesem Weg es schwierig haben könnten zu trampen und spendiert uns daher ein Busticket bis nach Briançon und somit über den Pass hinüber. Zum ersten Mal in diesem Jahr sehen wir voll bedeckte Schneeflächen und sogar Ski- und Snowboarfahrer. Für uns alles etwas surreal, waren wir doch vor wenigen Wochen noch am Mittelmeer im T-Shirt unterwegs. Aber doch auch erfreudig, denn wir wissen, der Skiurlaub mit Familie Möller rückt näher.

In Briançon versuchen wir erneut unser Tramperglück. Während wir an einer Bushaltestelle stehen, ruft plötzlich von der gegenüberliegenden Straßenseite eine ältere Dame vom Balkon des 3. Stocks irgendetwas zu, dass wir aufgrund fehlender Französischkenntnisse jedoch nicht verstehen. Wir geben zu verstehen, dass wir kein französisch sprechen, was die Dame aber nicht daran hindert uns weiterhin Dinge zuzurufen. Nach geraumer Zeit glauben wir zu verstehen, dass sie uns mitteilen möchte, dass ein paar hundert Meter die Straße weiter ein besserer Spot zum trampen wäre. Nach geraumer Zeit und den ständigen Rufen der Dame entscheiden wir uns es die Straße weiter hoch zu probieren. Nicht unbedingt, weil wir glauben hier schlecht zu stehen, aber viel mehr, um den Rufen der Frau zu entgehen :D. Nach nicht allzu langer Zeit haben wir Glück und werden ein gutes Stück weiter die Serpentinenstraßen entlang der Berge mitgenommen, bis kurz vor die italienische Grenze. Wir stehen an einer kleinen Tankstelle und 15 m hinter uns sausen Ski- und Snowboardfahrer an uns vorbei. Wieder dauert es nicht lang, bis eine nette Dame anhält und uns mitnimmt. Sie ist auf dem Rückweg aus dem Skiurlaub. Wir haben Glück, denn sie fährt nicht nur bis nach Turin, sondern noch deutlich weiter und willigt ein uns ein ordentliches Stück bis kurz vor Alessandria mitzunehmen, von wo aus die E25/A26 abzweigt, die direkt zum Lago Maggiaro, unserem nächsten Ziel führt. Auf dem Rasthof angekommen bedanken wir uns wie immer recht herzlich und beschließen die Nacht hier zu verbringen. Nachdem wir zu Abend gegessen haben, klettern wir also über den Zaun und schlagen unser Zelt auf einer Wiese neben einer kleinen Straße auf. Wie es von hier weiter ging, könnt ihr hier lesen.

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